Corona April 2020

Kleine Alltagsphilosophie in schwierigen Zeiten

Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen:

Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.

Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe.

(Hermann Hesse)

 

Ja, manchmal mutet uns das Leben etwas zu und manchmal ist das Leben infam, eben richtig niederträchtig. Hermann Hesse hat in seinem Leben (1877 – 1962) nicht nur zwei Kriege und den Nationalsozialismus erlebt, sondern auch die Spanische Grippe. Aber seine kleine Lebensweisheit (aus einem Brief von 1950) bezieht sich dabei sicher weniger auf bestimmte Ereignisse, eher scheint es die Summe seiner Erfahrungen zu sein. Können wir daraus etwas lernen, wenn so ein klitzekleiner Virus, einfach alle Gewohnheiten außer Kraft setzt und den Lauf der Welt anhält, sich  Beklommenheit breit macht, und spätestens seit den Bildern aus Oberitalien, sich in die angespannte Stimmung schlicht und ergreifend Angst mischt? Angst davor schließlich doch selbst betroffen zu sein, Angst Angehörigen nicht helfen zu können, Angst den Dingen ausgeliefert zu sein – eine böse Lotterie.

Nun, nach Hermann Hesse sollten wir tapfer sein – zur Tapferkeit gehört der Mut. Sich also mutig der Krise stellen mit der Frage:Was kann ich tun?

TV, Internet und Co sind voll von Regeln und Tipps wie wir uns vernünftigerweise verhalten sollen. Die meisten beherzigen das auch gerne,bleiben zuhause, gehen so selten wie möglich zum Einkaufen und halten Abstand. Soweit so gut. Unsere Möglichkeiten sind beschränkt und Ansteckung letztendlich eine Frage des Zufalls. Tapferkeit könnte in unserer Situation auch einfach heißen diese Ungewissheit  auszuhalten und mutig nach vorne zu schauen mit der Gewissheit, dass wir auch dieses Ereignis, wie auch immer, bewältigen werden, frei nach dem Motto Alles Leben ist Problemlösen (Karl R.Popper).

Wir sind gefordert, aber nicht komplett überfordert. Wir sind Menschen – im Guten wie im Schlechten. So sind wir grundsätzlich in der Lage zu reflektieren, in uns zu gehen – altmodisch gesagt, uns zu besinnen und so nach dem für uns ganz eigenen Sinn des Lebens zu suchen und dem was uns wichtig ist –  unseren Werten. Mit diesen eigenen Werten und unserer eigenen menschlichen Kreativität haben wir die Chance ganz eigensinnig diesem Virus zu trotzen und vielleicht sogar gestärkt aus dieser Krise herauszugehen.

Und ja, Geduld muss und wird sich einstellen. Vielleicht wird sogar das zur größten Herausforderung.

 

Und hier ganz praktisch:

 

Kommunikation –  Reden Sie miteinander:

Wir sind soziale Wesen und geben uns Halt indem wir unsere Ängste teilen und uns gegenseitig trösten. Wir versichern uns in unserem Handeln – machen es die anderen auch so? Wie organisieren die Freunde den Alltag? Verständigung wird zum Verständnis, das tut gut und macht Mut.

 

Routine und Rituale –  Den eigenen Rhythmus finden: Wenn wir Arbeitszeiten und Freizeit klar definieren wird sich auch im Homeoffice ein Rhythmus einstellen der Orientierung gibt. Mit Ritualen geben wir uns Sicherheit. So sind auch gemeinsame Mahlzeiten für Familien eine Gelegenheit sich gegenseitig zu versichern – wir sind füreinander da.

Oder der kleine Spaziergang am Nachmittag, ein Buch, Musik u.s.w. einfach etwas tun, das uns bereichert und damit dieser Zeit der vermeintlichen Untätigkeit ganz eigenwillig die schöne Seite abgewinnen.

 

Werte – Was uns wichtig ist: Warum nicht auch diese Zeit nutzen für die Fragen, die wir gerne sonst wegschieben. Wir haben es mit einer Zeit der Nachdenklichkeit zu tun. Wir werden ein Stück auf uns zurückgeworfen und es ist sicher nicht verkehrt, sich mit den wesentlichen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Mal nach innen horchen, welche Werte sind mir wirklich wichtig und lebe ich diese auch? Dazu sollten wir uns auch Zeit nehmen – Zeit für Muße. Nicht jede Minute muss mit Aktivität gefüllt werden, den Gedanken einfach mal ihren Lauf lassen. Besonders schön gelingt das bei Spaziergängen in der Natur, im Wald oder am Wasser – allein oder zu zweit. Das hilft nicht nur die vielen negativen Eindrücke zu verarbeiten, sondern auch bei sich zu bleiben oder wieder zu sich zu finden und damit auch zu mehr Gelassenheit und Geduld.

 

Ganz im Sinne Hermann Hesses wünsche ich Ihnen: Finden Sie tapfer, eigensinnig und geduldig Ihren Weg durch die Krise und bleiben Sie vor allem gesund.

 

Herzliche Grüße,

Iris Schimpf-Reeg